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Exkursionen

Auf den Spuren unserer Ein- und Auswanderer

Am 02. März 2017 fuhren wir, der Geschichts-LK des Jahrgangs 11, und der grundlegende Geschichtskurs von Frau Zimmermann-Strüwe nach Bremerhaven, um das Deutsche Auswandererhaus zu besuchen.
Mit dem Schwerpunkt „Auswanderung zur Zeit des Nationalsozialismus“ startete unser Tag mit einer Führung durch das Gebäude. Jeder von uns bekam eine „Boardingkarte“ und einen Zettel, auf denen zwei Namen standen. Der erste war der Name einer Person, die aus Deutschland auswanderte, der zweite Name, der einer Person, die nach Deutschland einwanderte. Mit Hilfe der „Boardingkarte“ wurde uns die Identifikation mit den Personen ermöglicht. An verschiedenen Stationen scannten wir unsere „Boardingkarte“ und konnten die Geschichte dieser Person hören, wie beispielsweise die Motive ihrer Auswanderung, die Situation an Bord, nach der Ankunft in Amerika.
Nachdem wir von der Führungsleitung begrüßt und uns die Funktion dieser „Boardingkarte“ erklärt wurde, begann auch für uns die Reise nach Amerika. In der „Wartehalle“, die dem Wartebereich der Norddeutschen Lloyd von 1869 nachempfunden und in dem Stil der dritten Klasse gebaut wurde, stimmten wir uns auf die Situation kurz vor Abfahrt in die „neue Welt“ ein. Es ging weiter zu dem „Kaje“, die genaue Rekonstruktion einer Kaianlage von 1880. In dem Hafen liegt der Schnelldampfer „Lahn“ an, Menschen stehen am Wasser und warten darauf, die Reise anzutreten beziehungsweise Familienangehörige zu verabschieden. Uns war es möglich, in verschiedene Koffer zu gucken, die mit unterschiedlichen Inhalten nach Amerika mitgenommen werden sollten: meist war nur das Nötigste verstaut – ein bisschen Unterwäsche, ein Paar Socken, ein oder zwei Hemden, eine Zahnbürste, das war alles. Diese ganze Szene wirkte sehr realistisch, weil die Menschen in Lebensgröße am Hafen stehen, einem exakten Nachbau, ebenfalls in Originalgröße.
Bevor auch wir an Bord gingen, führte uns unser Rundgang in die „Galerie der 7 Millionen“. Die Biographien, der über 7 Millionen Menschen, die von Bremerhaven aus in ein neues Leben starteten, sind hier einzusehen. Von manchen sind nur der Name und der Tag, an dem sie nach Amerika aufbrachen, von anderen ist die gesamte Lebensgeschichte bekannt. Insbesondere diese Station war sehr beeindruckend, da wir die Motive der Personen, dessen Namen wir zu Beginn der Führung bekommen hatten, erfuhren. Und diese Motive waren sehr vielfältig; von der Hoffnung auf ein besseres Leben mit einem besseren Beruf bis hin zu dem Antisemitismus, den die Juden in der alten Heimat erlebt hatten und nun hofften, eine Zukunft in den USA zu haben. Und mit diesen Eindrücken, gingen auch wir an Bord. Was hatten die Auswanderer zu erwarten? Wie waren die Bedingungen an Bord? In welchen Schiffen war die Überfahrt in die „neue Welt“ möglich? Antworten auf diese Fragen fanden wir in dem detailgetreuen Nachbau der Schiffsräume. Faszinierend war vor allem, wie sich die Bedingungen an Bord im Laufe der Zeit änderten. Während in dem Zwischendeck eines Seglers um 1850 die Bedingungen für die Auswanderer der dritten Klasse nahezu unmenschlich waren, überzeugte die dritte Klasse des Ocean Liner „Columbus“ mit schlichtem Komfort. Wir folgten dem „Gang nach New York“, einem langen, fast beengend wirkenden Korridor und gelangten in die Einwanderungsstation „Ellis Island“. Dort machten wir den Aufnahmetest: Wann wurde man in die USA aufgenommen und wann wurde man auf Kosten der Rederei zurück nach Bremerhaven geschickt? Die Aufnahmekriterien waren bemerkenswert streng, bereits eine körperliche Behinderung reichte aus, um nicht mehr aufgenommen zu werden.
Doch alle von uns bestanden den Test und wir gelangten in „The office of the new world“. Was wussten die Auswanderer über das Land, welches nun ihre neue Heimat war? Und wie konnten die Auswanderer sich über ihre neue Heimat informieren? Dokumente, die Antworten auf diese Fragen geben, sind hier zu finden.
Zum Ende unserer Führung gelangten wir in das New Yorker „Grand Central Terminal“, das Tor zur „neuen Welt“. Wir erfuhren, wie es „unseren“ Auswanderern nach der Ankunft in den USA erging – und nicht jede Geschichte endete mit einem Happy End. Entsetzt, wozu die alte Heimat Deutschland während des Drittes Reiches in der Lage war oder enttäuscht, dass das neue Leben nicht wie erhofft verlief, kehrten einige wenige nach Deutschland zurück.
Nach dem Ende unserer lehrreichen und interessanten Führung widmeten wir uns dem zweiten Namen auf unserem Zettel, den wir zur Beginn erhielten. Dieser zweite Name war der Name eines Einwanderers, dessen Biographie wir ebenfalls nacherleben konnten.
Alles in allem war es ein interessanter und lehrreicher Tag. Wir stellten fest, dass es viele Motive für Aus- und Einwanderung gab und viele Personen mit diversen Schicksalen den Schritt in eine neue Heimat wagten.

Karin Thies
eN-Geschichte, Jahrgang 11

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