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Krieg in den Medien – Ein Workshop an der Leibniz Universität Hannover (2017)

Am 11.05.2017 waren wir, der WuN-Kurs des 11. Jahrgangs, mit Frau Sauerbrei und Frau Banser im Institut für Philosophie an der Leibniz Universität Hannover. Gemeinsam mit dem Medienethiker Dr. phil. Philipp Bode sind wir dort der Frage nachgegangen, ob und inwiefern Krieg in den Medien – vor allem in Fotografie und Film – gezeigt werden sollte und welche Möglichkeiten und Grenzen mit diesen Medien verbunden sind.
Wie Kriegsfotografien wirken können, haben wir direkt zu Beginn unseres Workshops erfahren. Unterschiedliche, z. T. ikonografische Fotografien wurden von uns betrachtet und erste Eindrücke benannt. Einige Bilder (wie z. B. ‚Das Vietnam-Mädchen‘) waren uns zwar teilweise schon bekannt, doch umso erstaunlicher war es, dass sie scheinbar nichts von ihrer Wirkung verlieren. Sofern es ihr Ziel ist, auf Missstände aufmerksam zu machen, können wir sagen, dass sie dieses bei uns jedenfalls erreicht haben. Darf also alles gezeigt werden, solange der Zweck stimmt? Es gibt doch in Deutschland die sogenannte ‚Pressefreiheit‘.
Nach einer längeren Auseinandersetzung mit dieser Frage, stellte uns Philipp Bode den deutschen Presserat vor. Er erklärte, dass es in Deutschland die Möglichkeit gibt, sich dort als Leser über Bilder in Zeitungen zu beschweren, woraufhin dann der Presserat den Fall überprüft und ggf. eine Rüge ausspricht. Diese muss dann von der entsprechenden Zeitung abgedruckt werden.
Wir haben uns daher in diesem zweiten Teil des Workshops in die Rolle des Presserats versetzt und selbstständig in Gruppen einen Kriterienkatalog erarbeitet. Der Katalog wurde vorgestellt und anschließend auf reale Fallbeispiele angewendet. Besonders aufgefallen ist uns dabei, dass eine mögliche Veröffentlichung auch immer eine Frage der Abwägung zwischen unterschiedlichen Interessenträgern ist: Natürlich möchte ein Journalist seiner Pflicht zur wahrheitsgemäßen Berichterstattung nachgehen und die Öffentlichkeit informieren. Doch wie sieht es mit der Würde der Opfer aus? Dürfen diese zwecks Aufklärung der Öffentlichkeit instrumentalisiert werden? Und steht der Pflicht zur Berichterstattung nicht auch ein Recht des Lesers gegenüber, diese schockierenden Szenen nicht betrachten zu müssen? Eine Entscheidung kann letztlich nur für jeden Einzelfall getroffen werden – und so fällten auch wir unsere Urteile. Teilweise stellten wir dabei überrascht fest, dass wir nicht immer derselben Meinung waren wie der Presserat.
Gut gestärkt ging es dann nach einer Mittagspause weiter. Wir verließen das Medium Fotografie, wandten uns der filmischen Darstellung von Krieg zu und bemerkten erstaunliche Unterschiede in der Umsetzung. Während in (Anti-)Kriegsfilmen die Schrecken des Krieges möglichst realitätsnah geschildert werden sollen, so gibt es auch Filme, die sich deutlich von diesen zum Frieden aufrufenden abgrenzen. Von den filmischen Mitteln her entdeckten wir sogar Parallelen mit Actionfilmen. Ist es moralisch gerechtfertigt, dass Krieg in diesem Format präsentiert wird? Gibt es ein Recht bzw. eine Pflicht zum Realismus bzw. zur Ästhetisierung? Teilweise konnten wir hier zur Beantwortung der Fragen auf unsere Facharbeiten zurückgreifen, was uns sehr gefreut hat.
Es war ein sehr spannender Tag im Institut für Philosophie. Wir haben nicht bloß die Bedeutsamkeit der Thematik erfahren und etwas Neues gelernt, sondern konnten gleichzeitig auch noch ein bisschen Uniluft schnuppern!

der WuN-Kurs Jahrgang 11

'Ästhetisierung von Krieg - Kunst oder unmoralisch?' (Quelle: PPT von Herrn Bode)

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