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Exkursionen

Auf den Spuren unserer Ein- und Auswanderer

Am 02. März 2017 fuhren wir, der Geschichts-LK des Jahrgangs 11, und der grundlegende Geschichtskurs von Frau Zimmermann-Strüwe nach Bremerhaven, um das Deutsche Auswandererhaus zu besuchen.
Mit dem Schwerpunkt „Auswanderung zur Zeit des Nationalsozialismus“ startete unser Tag mit einer Führung durch das Gebäude. Jeder von uns bekam eine „Boardingkarte“ und einen Zettel, auf denen zwei Namen standen. Der erste war der Name einer Person, die aus Deutschland auswanderte, der zweite Name, der einer Person, die nach Deutschland einwanderte. Mit Hilfe der „Boardingkarte“ wurde uns die Identifikation mit den Personen ermöglicht. An verschiedenen Stationen scannten wir unsere „Boardingkarte“ und konnten die Geschichte dieser Person hören, wie beispielsweise die Motive ihrer Auswanderung, die Situation an Bord, nach der Ankunft in Amerika.
Nachdem wir von der Führungsleitung begrüßt und uns die Funktion dieser „Boardingkarte“ erklärt wurde, begann auch für uns die Reise nach Amerika. In der „Wartehalle“, die dem Wartebereich der Norddeutschen Lloyd von 1869 nachempfunden und in dem Stil der dritten Klasse gebaut wurde, stimmten wir uns auf die Situation kurz vor Abfahrt in die „neue Welt“ ein. Es ging weiter zu dem „Kaje“, die genaue Rekonstruktion einer Kaianlage von 1880. In dem Hafen liegt der Schnelldampfer „Lahn“ an, Menschen stehen am Wasser und warten darauf, die Reise anzutreten beziehungsweise Familienangehörige zu verabschieden. Uns war es möglich, in verschiedene Koffer zu gucken, die mit unterschiedlichen Inhalten nach Amerika mitgenommen werden sollten: meist war nur das Nötigste verstaut – ein bisschen Unterwäsche, ein Paar Socken, ein oder zwei Hemden, eine Zahnbürste, das war alles. Diese ganze Szene wirkte sehr realistisch, weil die Menschen in Lebensgröße am Hafen stehen, einem exakten Nachbau, ebenfalls in Originalgröße.
Bevor auch wir an Bord gingen, führte uns unser Rundgang in die „Galerie der 7 Millionen“. Die Biographien, der über 7 Millionen Menschen, die von Bremerhaven aus in ein neues Leben starteten, sind hier einzusehen. Von manchen sind nur der Name und der Tag, an dem sie nach Amerika aufbrachen, von anderen ist die gesamte Lebensgeschichte bekannt. Insbesondere diese Station war sehr beeindruckend, da wir die Motive der Personen, dessen Namen wir zu Beginn der Führung bekommen hatten, erfuhren. Und diese Motive waren sehr vielfältig; von der Hoffnung auf ein besseres Leben mit einem besseren Beruf bis hin zu dem Antisemitismus, den die Juden in der alten Heimat erlebt hatten und nun hofften, eine Zukunft in den USA zu haben. Und mit diesen Eindrücken, gingen auch wir an Bord. Was hatten die Auswanderer zu erwarten? Wie waren die Bedingungen an Bord? In welchen Schiffen war die Überfahrt in die „neue Welt“ möglich? Antworten auf diese Fragen fanden wir in dem detailgetreuen Nachbau der Schiffsräume. Faszinierend war vor allem, wie sich die Bedingungen an Bord im Laufe der Zeit änderten. Während in dem Zwischendeck eines Seglers um 1850 die Bedingungen für die Auswanderer der dritten Klasse nahezu unmenschlich waren, überzeugte die dritte Klasse des Ocean Liner „Columbus“ mit schlichtem Komfort. Wir folgten dem „Gang nach New York“, einem langen, fast beengend wirkenden Korridor und gelangten in die Einwanderungsstation „Ellis Island“. Dort machten wir den Aufnahmetest: Wann wurde man in die USA aufgenommen und wann wurde man auf Kosten der Rederei zurück nach Bremerhaven geschickt? Die Aufnahmekriterien waren bemerkenswert streng, bereits eine körperliche Behinderung reichte aus, um nicht mehr aufgenommen zu werden.
Doch alle von uns bestanden den Test und wir gelangten in „The office of the new world“. Was wussten die Auswanderer über das Land, welches nun ihre neue Heimat war? Und wie konnten die Auswanderer sich über ihre neue Heimat informieren? Dokumente, die Antworten auf diese Fragen geben, sind hier zu finden.
Zum Ende unserer Führung gelangten wir in das New Yorker „Grand Central Terminal“, das Tor zur „neuen Welt“. Wir erfuhren, wie es „unseren“ Auswanderern nach der Ankunft in den USA erging – und nicht jede Geschichte endete mit einem Happy End. Entsetzt, wozu die alte Heimat Deutschland während des Drittes Reiches in der Lage war oder enttäuscht, dass das neue Leben nicht wie erhofft verlief, kehrten einige wenige nach Deutschland zurück.
Nach dem Ende unserer lehrreichen und interessanten Führung widmeten wir uns dem zweiten Namen auf unserem Zettel, den wir zur Beginn erhielten. Dieser zweite Name war der Name eines Einwanderers, dessen Biographie wir ebenfalls nacherleben konnten.
Alles in allem war es ein interessanter und lehrreicher Tag. Wir stellten fest, dass es viele Motive für Aus- und Einwanderung gab und viele Personen mit diversen Schicksalen den Schritt in eine neue Heimat wagten.

Karin Thies
eN-Geschichte, Jahrgang 11

Besondere Projekte und Veranstaltungen

Geschichtsunterricht vor Ort - Bergen-Belsen

Besuch der Gedenkstätte Bergen-Belsen (2016)

Die 9ten Klassen waren am 19. Januar 2016 unterwegs zu einer Erkundung der Gedenkstätte Bergen-Belsen.

In den Schaukästen sind Fundstücke vom Gelände des ehemaligen Lagers. Man kann hier unter einer angemessenen Atmosphäre auf etliche Informationen zur Geschichte des ehemaligen Konzentrationslagers zugreifen. Der Gruppe hat dieser Teil der Besichtigung sehr gefallen und man konnte die emotionale Stimmung unter den Schülern deutlich spüren. Der gesamte Ausflug wurde mit sehr großem Interesse aufgefasst und von den Schülern sehr ernst genommen und wir verließen mit Eindruck und Respekt die Gedenkstätte.

A. Kierey

Im Folgenden sind einige Fotos zusammengestellt, die auf dieser Exkursion entstanden sind und die die Schüler besonders beeindruckt haben.

Zugwaggon, in dem bis zu 150 Menschen gleichzeitig transportiert wurden.

Zugwaggon, in dem bis zu 150 Menschen gleichzeitig transportiert wurden.
Die Gruppe zeigte sehr viel Interesse an der Erkundung des Waggons. Die Distanzlosigkeit hat bei allen Schülern einen sehr emotionalen Eindruck hinterlassen.

Jüdischer Gedenkstein vom 15. April 1946

Jüdischer Gedenkstein vom 15. April 1946
Dieser Gedenkstein erinnert an die Menschen, die im Konzentrationslager Bergen-Belsen umgebracht wurden.

Bericht vom Besuch in Bergen-Belsen am 11. und 12. Juli 2012

Wir haben in unserem Schulprogramm festgelegt, dass die 9. Klassen zur KZ-Gedenkstätte nach Bergen-Belsen fahren. Da sich die 9. Klassen im aufgrund des Profilunterrichts bedingten epochalen Geschichtsunterricht nicht intensiv genug mit dem Dritten Reich befassen können, ist es umso sinnvoller, Geschichtsunterricht vor Ort zu gestalten. Dies ist zu den Themen ‚Sowjetische Kriegsgefangene’ und ‚Konzentrationslager’ in der Gedenkstätte ideal möglich. Wir gestalten dort jedes Jahr einen Studientag, der vor Ort von 9 bis 15 Uhr dauert und sehr intensiv Geschichte vermittelt.

Jede Gruppe hat einen eigenen Betreuer, die Schwerpunkte können unterschiedlich gestaltet werden. So wurden im Jahr 2012 die Themen Häftlingszeichungen, Verhältnis der um das Lager wohnenden Menschen zu den Lagerhäftlingen, Verhältnis der Häftlinge zum KZ Aufsichtspersonal, Vertiefung anhand von Objekten und Bildern mit Präsentation durch Schüler behandelt.

Der Studientag beginnt mit der Besichtigung der Rampe, wo die Häftlinge ankamen. Dort wird sehr anschaulich über die strapaziöse Reise berichtet und die Schüler bekommen in dem Eisenbahnwaggon eine Vorstellung davon, was es bedeutet haben muss, auf engstem Raum und ohne Verpflegung tagelang zusammengepfercht den Transport zu erleben.

Beim Gang über das Gelände, wo nichts übrig geblieben ist außer den mit Gras überwachsenen Massengräbern, erhalten die Schüler durch den Betreuer Informationen über das Lagerleben.

In der Gedenkstätte werden in dem sogenannten Filmturm die von den Briten unmittelbar nach der Befreiung des Lagers im April 1945 gemachten Filmaufnahmen gezeigt, die z.T. auch Tondokumente sind und das KZ Personal zeigen, aber auch von den dortigen Gräueln erschütterte britische Soldaten zu Wort kommen lassen. Emotional kaum zu ertragen sind die Aufnahmen, in denen man sieht, wie auf Befehl der Briten die Lagerwärter Tausende von vollkommen abgemagerten Leichen zu den Massengräbern tragen und sie hineinwerfen.

Die Gedenkstätte ist aufgeteilt in die Bereiche Sowjetische Kriegsgefangene im Lager, Konzentrationslager, Befreiung durch die Briten und Lager für Displaced Persons sowie nachkriegliche Strafgerichtsbarkeit. Es werden z.B. etliche schriftliche Dokumente, Fundstücke, Fotos sowie Interviews auf Monitoren gezeigt, die die Geschichte der Menschen in dem Lager und dem Umland höchst eindrucksvoll belegen.

Auf der Heimfahrt formulierten die Schüler ihre Eindrücke. Hier eine Auswahl (Originalzitate):

Der Ausflug war äußerst lehrreich und informativ in allen Facetten. Die Möglichkeiten, sich dort über die Grausamkeiten des NS-Regimes, die in jeder Hinsicht einen gesunden Verstand überfordern, sind zudem sehr vielseitig und teils auch sehr anschaulich. Es sollte jeden, der dort war, zum Nachdenken anregen.

Ich fand den Ausflug nach Bergen-Belsen äußerst interessant und informativ. Die dargestellten Eindrücke waren teilweise sehr schockierend und grausam. Ich hätte nicht gedacht und erwartet, dass man als Mensch zu solch schauderhaften Taten imstande ist. Durch die vielen Filmbelege und auch Schriften konnte man sich in diese Zeit hinein versetzen und richtig mitfühlen. Ich denke, dieser Ausflug hat Spuren hinterlassen und ist auf jeden Fall empfehlenswert.

Ich fand den Ausflug nach Bergen-Belsen sehr sinnvoll/nützlich/informativ. Man hat Eindrücke der Gräuel- und Schandtaten bekommen, die man bzw. ich ohne diesen Ausflug nicht erlangt hätte. Zudem finde ich es gut, dass die Schule diesen Ausflug arrangiert hat, da ich sonst nie nach B-B gefahren wäre, weil ich mich nie dazu hätte aufraffen können, da die Ereignisse, die dort passiert sind, zu brutal waren.

Der Ausflug hat mir sehr viel geholfen, da man endlich das Ausmaß dieser Brutalität und die Unmenschlichkeit unseres damaligen Reiches sehen konnte und umso froher über die heutigen Umstände sein kann. Vielen wird erst durch diesen Besuch klar, dass man alle Menschen gleich behandeln sollte.

Der Besuch in B-B war aus mehreren Gesichtspunkten sehr sinnvoll bzw. interessant: Erstens war es aus pädagogischen Gründen bereichernd, da sich bei Gesprächen mit meinen Klassenkameraden herausgestellt hat, dass mehrere das, was sie jetzt besitzen, mehr schätzen. Der zweite Aspekt ist, dass es kulturell auch wichtig ist, da es ja viel mit unseren Vorfahren und unserer Vergangenheit zu tun hat. Also ist es wirklich wichtig, solchen Problemen weiterhin ins Gesicht zu sehen, da es ähnliche „Konflikte“ noch immer gibt.

Meiner Meinung nach kann man diesen Tag grob in fünf kurzen Eindrücken zusammen fassen:

Erschreckend: Die Ausstellung im Filmturm

Atemberaubend und faszinierend: die gesamte Historie und Idylle von Bergen-Belsen

Informativ und aufschlussreich: Die sehr gelungene Führung unseres Guides

Endgültiges Fazit: Es ist ein Muss, einmal dort gewesen zu sein und ein Besuch ist wärmstens zu empfehlen.

PL

Vor 70 Jahren wurde das KZ Auschwitz befreit - Das GM gestaltet den Gedenktag am 27. Januar 2015

„Am 27. Januar stapften gegen 4 Uhr zwei vermummte Gestalten auf der Lagerstraße durch den Schnee, die auf einem Schlitten ein Maschinengewehr hinter sich herzogen. Vor dem Tor hielten sie inne. Neugierig näherten wir uns und bemerkten auf ihren Pelzmützen den roten Stern. Ein Freudenschrei ging durch das Lager: Die Russen sind da! Wer nur kriechen konnte, glitt von den Pritschen und ging raus. Unsere Freude war grenzenlos, wir wussten nicht, wie wir den Befreiern unsere unermessliche Dankbarkeit zeigen sollten.“

Geradezu euphorisch schildert der österreichische Mediziner Otto Wolken die Ankunft sowjetischer Soldaten im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.

Jubeln mochten und konnten die fast verhungerten, auf 35 Kilogramm abgemagerten Arbeitssklaven im Lager Auschwitz III nicht, wo die IG Farben noch wenige Tage zuvor ihr Buna-Werk betrieben hatte. Nur schwer kranke KZ-Häftlinge ließen die SS-Wachmannschaften bei ihrer panikartigen Flucht zurück. Mit näher rückendem Geschützdonner hatte sich die Rote Armee angekündigt, bis die SS-Leute am 18. Januar schließlich die Nerven verloren. Um alle Spuren des bürokratisch organisierten Massenmords zu verwischen, wurden  Akten verbrannt und Krematorien  gesprengt. Die SS-Schergen trieben auch alle gehfähigen Lagerinsassen, etwa 60 000 Menschen, auf „Todesmärsche“ gen Westen.

Für die meisten Zurückgebliebenen, die den Tag der Befreiung erlebten, blieb die Heimkehr ein unerfüllter Traum. Die über Monate und Jahre systematisch ausgebeuteten und gequälten Häftlinge überlebten die Befreiung nicht. Anderthalb Millionen Juden, Sinti, Roma oder politische Gegner des nationalsozialistischen Terrorregimes wurden in den Gaskammern von Auschwitz getötet oder „durch Arbeit vernichtet“, wie die Techniker des Massenmords ebenso zynisch wie verschleiernd formulierten.

Zum Gedenken an die 6 Millionen während der NS-Diktatur ermordeten Juden gestaltet die Fachschaft Geschichte den 70. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz in besonderer Weise:

Die 7. und 8. Klassen werden kurze interne Lesungen aus für diese Altersstufe geeigneten Büchern organisieren.

Die 9. und 10. Klassen werden in der 3. und 4. Stunde im Forum eine Szenische Lesung des Buches von Katherine Kressman Taylor: Adressat Unbekannt erleben. Der Text, erstmals 1938 in New York veröffentlicht, ist ein literarisches Meisterwerk von beklemmender Aktualität. Gestaltet als Briefwechsel zwischen einem Deutschen und einem amerikanischen Juden in den Monaten um Hitlers Machtergreifung, zeichnet dieser kurze Roman in bewegender Schlichtheit die dramatische Entwicklung der Zerstörung einer Freundschaft nach und gibt faszinierende Einblicke in die Anpassung der Deutschen an die Nazi-Ideologie und den Beginn der Verbrechen an den Juden.

Die Jahrgänge 11 und 12 werden in der 5. und 6. Stunde im Forum eine Szenische Lesung der Eichmann Protokolle sehen und hören. Adolf Eichmann war einer derjenigen, die die Vernichtung der Juden organisierten.  Der SS-Obersturmbandführer und Leiter des Referats IVB4 im Reichssicherheitshauptamt brachte die Waggons der Züge, die in die Vernichtungslager im Osten fuhren, ins Rollen. Nach dem Krieg setzte er sich nach Argentinien ab, wurde aber durch den israelischen Geheimdienst ausfindig gemacht und 1961 in Jerusalem zum Tode verurteilt. Für das Selbstverständnis des jungen Staates Israel war dieser Prozess gegen Adolf Eichmann überlebenswichtig:  Es ging darum, die Opferrolle abzustreifen. Und die gesamte Weltöffentlichkeit sollte größtmöglichen pädagogischen Nutzen daraus ziehen, die Umstände der fabrikmäßigen Ermordung der Juden vorgeführt zu bekommen.

Und wen hatte man da nun gefangen? Eine Bestie glaubten die Ankläger zu präsentieren, einen Sadisten, der es dank seiner Verschlagenheit geschafft hatte, bis jetzt unterzutauchen. Was für ein grandioser Irrtum! Das Missverhältnis zwischen Täter und Tat war grotesk. Weder ein enthemmter KZ-Arzt noch ein prügelnder SS-Scherge nahm da hinter schusssicherem Glas Platz, sondern ein perfekter Untertan. Den Gerichtssaal begriff dieser „Saubermann“ als seinen neuen Arbeitsplatz: Wie in einem Büro stapelte Eichmann Akten um sich herum und machte sich Notizen. Er hat das Leid von Millionen nicht in geringster Weise mit seiner eigenen Person verbunden. Er verstand sich als das „kleine Rädchen im Getriebe“, das vorschriftsmäßig auf dem ihm anbefohlenen Platz rotierte, er war der „Schreibtischtäter“. Die Prozessbeobachterin Hannah Arendt schuf damals das inzwischen inflationär gebrauchte Wort von der „Banalität des Bösen“.

Das Protokoll des Prozesses spricht für sich selbst und enthüllt nach und nach die Mentalität und das Berufsverständnis dieses „ Herrn Jedermann“ und gibt damit einen Blick frei in den „Referenzrahmen“ (Harald Welzer) des idealen NS-Untertanen.

Das Ziel der Fachschaft Geschichte ist es, auf Anregung der SchülerInnen des Abiturjahrgangs 2014, ein Zeichen zu setzen und den SchülerInnen des Gymnasiums Mellendorf den 27. Januar als Gedenktag nachhaltig im Gedächtnis zu verankern.

PL

Gendenktag - Nachlese

Ich möchte allen, die zum Gelingen der Gestaltung des Gedenktags beigetragen haben, danken. Es waren viele: die Lehrer, die das Geld eingesammelt haben, Herr Schmidt, der den Stundenplan so gestaltete, dass alles glatt lief , die Technik AG, die für Licht und Ton sorgte,  die Schulleitung, die das Projekt unterstützte, die Eltern, die die Lesungen finanziell unterstützten, der Förderverein, der eine großzügige Beteiligung an den Kosten bereitstellte und insbesonders die SchülerInnnen, die so diszipliniert den Lesungen beiwohnten sowie dem Jahrgang 11 und 12, die interessante Fragen stellten und dadurch großen Erkenntnisgewinn hatten. Besonders danke ich auch den SchülerInnen, die in den 7. und 8. Klassen Texte über den Nationalsozialismus und die Ausgrenzung und/oder Vernichtung der Juden vorlasen.

So ist es gelungen, dass sehr vielen SchülerInnen die Geschehnisse des Holocaust klarer wurden und dass die Gefahr der Ausgrenzung von Minderheiten erkannt wurde. Dies sollte uns allen ein Denkanstoß sein bei der Auseinandersetzung mit anderen Kulturen. Nicht umsonst heißt Fremdenfeindlichkeit mit dem Fremdwort „Xenophobie“ , was nichts anderes als die Angst vor dem Fremden ist. Im Umkehrschluss heißt das, dass wir das tun  müssen, was uns die SchülerInnen mit dem Benefizkonzert schon vorgemacht haben, nämlich Kontakte mit „Fremden“ aufbauen und miteinander leben. In der Vielfalt  liegt eine große Chance in unserer globalisierten Welt.

PL, Fachschaft Geschichte

Zeitzeugengespräche zum Thema DDR in Klasse 10 und bei der Projektwoche im Juli 2012 zum Thema: Alltag in der DDR

Oral History , das ist die Fachbezeichnung für Quellentyp und Methode, bei denen Erinnerungsinterviews als historische Quellen produziert und ausgewertet werden. Im modernen Geschichtsunterricht, der ja chronologisch bis in die jüngste Vergangenheit geht, sind Zeitzeugenberichte häufig wertvolle Motivationsschübe, um die Geschichte lebendig werden zu lassen.

Jedoch darf man nicht vergessen, dass auch die Gedächtnisspur von Zeitzeugen im Laufe der Zeit verblasst und dass das eigene subjektive Erleben nicht immer in Übereinstimmung mit der historischen Wahrheit stehen muss. Für die Schüler jedoch ist der greifbare, vor ihnen sitzende Zeitzeuge meist glaubhaft und bisweilen auch überzeugender als schriftlichen Quellen, mit denen sie sich im Unterricht auseinandergesetzt haben. Dies führt manchmal zur Frage: Wer hat denn nun Recht, das Buch, der Zeitzeuge, beide oder niemand? Hier ist nun die Möglichkeit, aus diesem scheinbaren Dilemma eine fruchtbare Auseinandersetzung erwachsen zu lassen. Somit kann gerade ein Zeitzeugengespräch die Schüler zu genauem Hinhören führen. Sie lernen, mit der erforderlichen Sensibilität mit einem Menschen, der ja nicht nur „Quelle“ ist, umzugehen und sie lernen, Widersprüche zu erkennen und angemessen nachzufragen. Dies erfordert natürlich eine intensive Vorbereitung und gründliche Nachbereitung. Hier wird wieder einmal das Dilemma der großen Stofffülle und geringen Stundenzahl im Fach Geschichte deutlich.

Im Folgenden finden sich Aussagen, die Schüler der Klasse 10C im Juni 2012 nach zwei Zeitzeugengesprächen tätigten, die mit zwei sehr unterschiedlichen Zeitzeugen geführt wurden. Der eine Zeitzeuge war ein 64jähriger Herr, ein ehemals hochrangiges SED Mitglied, Mitarbeiter in der DDR Botschaft in Portugal, der nach der „Wende“ einen rasanten Sturz in seiner Biographie erlebte, allerdings auch während seiner Zeit in Portugal ein einschneidendes Erlebnis mit der SED Führung hatte, welches sein Vertrauen in die Parteisolidarität erschütterte.

Die zweite Zeitzeugin war beim Fall der Mauer erst 14 Jahre alt und erlebte den Umbruch in der Schule als sehr gravierend, hat sich später im Westen sehr erfolgreich ein neues Leben aufgebaut und sieht die der Wiedervereinigung gegenüber sehr negative Haltung ihrer in Chemnitz lebenden Verwandtschaft sehr kritisch. Sie äußerte sich sehr kritisch über die DDR, jedoch positiv über den Zusammenhalt innerhalb der individuellen Gemeinschaften in Schule und Freizeit.

Nach Auswertung der Schüleraussagen, die im Anschluss an die Gespräche schriftlich fixiert wurden, muss man leider feststellen, dass die Mehrzahl der Schüler wenig konkrete Kenntnis mitgenommen hat und recht unkritisch mit den Zeitzeugen umging. Hier folgen (originale) Auszüge aus den drei noch am meisten reflektierenden Aussagen:

Herr X erschien mir relativ neutral dadurch, dass er immer die DDR mit dem Westen verglich und dabei die DDR auch kritisiert hat. Jedoch merkte man bei ihm eine größere Neigung zur DDR….Er machte den Eindruck, als ob er selbst manche kritischen Methoden der DDR nicht negativ bewertet. Frau Y hingegen war sehr kritisch und eher negativ der DDR gegenüber eingestellt. Sie machte einen sehr emotionalen Eindruck und verband viele persönliche Erfahrungen aus ihrer Kindheit mit der DDR

Es wurde deutlich, dass Herr X die DDR Zeiten vermisste, auch wenn er es nicht so direkt sagte. Er fand vieles in der DDR gut, z.B. die niedrigen Preise. Außerdem sagte er, dass ihm die Kollektive fehlten. Er hatte in der DDR einen hohen Posten, welchen er nach der Wende verlor.  Frau Y sprach von einem Druck, den alle spürten und war froh über den Mauerfall, auch wenn sie es schwer fand, sich danach neu zu orientieren.

 …Letztlich habe ich aus den Aussagen der beiden geschlossen, dass die Menschen persönlich das Gefühl von Gemeinschaft durch die Kollektive genossen haben, doch dass der Druck und das Gefühl der Überwachung existierte. Auch habe ich durch Herrn X auch Folgen erfahren und einen Bruch der Persönlichkeit durch die starken Veränderungen durch die Wende gesehen.

Die Runde der Zeitzeugen bei der Projektwoche bestand aus 4 Kolleginnen, die in der DDR aufwuchsen und einem ehemaligen Kollegen, der sozusagen die Westsicht vertrat. Diese Diskussionsrunde war sehr anregend, die Aussagen der Kolleginnen sehr persönlich und beeindruckend. Es war interessant, wie sich  die Erfahrungen ähnelten, aber auch die abweichenden Details waren für die Schüler faszinierend. Gesprächsthemen waren die Erfahrungen der Selektion im Sport, die Reisebeschränkungen, das Gefühl der Bedrückung durch die immanent gefühlte Beobachtung, die Befindlichkeiten und Erlebnisse in der Nacht des Mauerfalls und die Wertung der Wiedervereinigung. Eine Kollegin aus der Reihe der Zuschauer, die in Berlin studiert hatte,  erzählte ihre Erlebnisse, die sie mehrfach in die Situation brachten, nicht zu wissen, ob sie von der Staatsicherheit für längere Zeit festgehalten werden würde. Das Erlebnis des Unrechtsstaats wurde hier sehr greifbar.

Die aus 20 Postern bestehende Ausstellung „Alltag in der DDR“, die der Anlass für die Zeitzeugendiskussion war, war von den Schülerinnen in moderner museumspädagogischer Art aufbereitet worden. Den Besuchern wurden spannende Fragen angeboten, die auf Postern auf der Rückseite der Plakate geschrieben worden waren. Tatsächlich griffen Schüler diese Fragen auf und erkundigten sich bei den Zeitzeugen nach der Lösung z.B. folgender Fragestellung: Warum trugen die erfolgreichen Diplomaten der DDR Trainingsanzüge?

Beeindruckend für die Besucher der Ausstellung waren echte Dokumente wie Schulzeugnisse, in denen der intensive Einsatz für das Kollektiv lobend hervorgehoben wurde  oder Mathematik-Abituraufgaben aus den 80er Jahren, die als Textaufgaben Situationen aus dem Alltag der NVA anboten. Auch konnte man echte FDJ Mitgliedsausweise sehen, in denen auch Marken der Weltjugendspiele in Pjöngjang (Nordkorea!!) eingeklebt waren. 

Im Gruppenraum nebenan konnten kurze Dokumentarfilme zu verschiedenen Themen angesehen werden; es wäre auch möglich gewesen, Spielfilme der DEFA anzusehen. Außerdem konnten die Schüler Originalaufnahmen von Reden bzw. Liedern ( z.B.„Die Partei, die Partei, die Partei hat immer recht“) per Kopfhörer anhören.

Leider nutzten sehr wenige Schüler die Gelegenheit, die Ausstellung intensiv anzusehen. Aber diejenigen, die dies taten, hatten sicher einen erheblichen Erkenntnisgewinn. Außerdem können die Ausstellungsplakate im Geschichtsunterricht der 10. und 11. Klassen weiter benutzt werden.

PL

Aktuelles

Informationen zur 2. Fremdsprachen

Hier finden Sie Informationen zur 2. Fremdsprachen am GM. Hier finden Sie Informationen zur 2. Fremdsprachen am GM.

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FSJlerin / FSJler (Freiwilliges Soziales Jahr) im Sport zum 15. Juli 2017 gesucht!

Das Gymnasium Mellendorf und der Mellendorfer Turn-Verein suchen zum 15. Juli 2017 eine FSJlerin / einen FSJler (Freiwilliges Soziales Jahr) im Sport.

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Frankreichaustausch mit Mantes-la Ville - Nr.5

Am Donnerstagmorgen trafen sich 17 Schüler des 9.Jahrgangs und 2 Lehrerinnen am Bahnhof in Mellendorf. Alle hatten einen mehr oder weniger großen Koffer dabei, vor allem aber waren alle in Vorfreude auf 10 Tage in Frankreich.

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